Die Münchner 48er
Sieht man die zahllosen Veröffentlichungen
durch, die zum Jubiläum der deutschen Revolution erschienen sind, so
fällt auf, daß München in fast allen nur am Rande aufscheint,
wenn es überhaupt erwähnt wird. Anders als die geschichtsmächtigen
Umwälzungen in anderen deutschen Städten (Wien, Berlin, Frankfurt)
und im Badischen haben die Münchner Ereignisse offenbar keinen bleibenden
Eindruck in der Nationalgeschichte hinterlassen, sondern lediglich Material
für eine bayerische Anekdotensammlung geliefert. Bundespräsident
Theodor Heuss sprach in seiner 1948 erschienenen Betrachtung vom "komischen
Beiwerk" der dortigen Revolution und meinte: "es waren Lustspielmotive
in dieses Lärmen und Zerren um die Staatsautorität gemengt - Deutschland
lachte".
Eine solche Wertung ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. München
erlebte seinerzeit, obwohl allein hier der Thron stürzte, eine nahezu
"gemütliche" Revolution. Dennoch bleibt festzuhalten, daß
die Residenz- und Universitätsstadt nicht nur in der zeitlichen Abfolge
der revolutionären Chronik einen vorrangigen Platz beanspruchen darf,
sondern auch ihrem Charakter nach eine ernsthafte Würdigung verdient.
Handelte es sich oberflächlich um eine Aufwallung empörter Bürger,
die dem Landesvater das Verhältnis mit einer unmöglichen Frauensperson
und dieser insonderheit ihre anmaßende Einflußnahme auf Staat
und Universität übelnahmen, so sind gleichwohl tieferreichende politische
Motive der Aufständischen unverkennbar. Sie unterscheiden sich zum Teil
davon, was andernorts das Bild bestimmte.
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